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Leserbrief

Beimischung Polyphosphat bei enthärtetem Trinkwasser

Ich halte zunächst einmal fest, dass der Wasserverband Leine-Süd zu jeder Zeit Wasser in Trinkwasserqualität liefert und geliefert hat.

Der Punkt der Phophat-Zudosierung ist, wie ich schon ausgeführt habe, wirklich als marginal anzusehen. Selbst bei Patienten im anurischen Zustand (d.h. Nierenschaden, der zu einem vollständigen Versagen der Filterleistung der Nieren geführt hat; dialysepflichtiger Patient), ist eine Phosphat-Konzentration im Bereich von 0,3 bis 3,5 mg/L im Trinkwasser in keiner Weise nachteilig. Selbstverständlich ist es für niereninsuffiziente Patienten in keiner Weise empfehlenswert, phosphatangereicherte Lebensmittel, wie Colagetränke oder Brühwürste zu verkonsumieren (diese Lebensmittel enthalten lebensmitteltechnologisch bedingt erhöhte Phosphat-Konzentrationen im Bereich von bis zu 700mg/L bei Cola-Getränken und bis zu 2000mg/kg bei Brühwürsten). Selbst Milch darf 1000mg/L Phosphat zugesetzt werden. Jedoch sind die im Trinkwasser (ebenfalls aus technologischen Gründen) notwendigen Konzentrationen vernachlässigbar gering.

Im enthärteten Trinkwasser werden z.B. im Wasser des HB Settmarshausen 2,18mg/L Phosphat nachgewiesen (der Grenzwert bei anlagentechnisch erforderlicher Zudosierung liegt bei 3,5mg/L; dieser Grenzwert entsprechend der Umweltbundesamt-Liste der Trinkwasseraufbereitungsstoffe ist so festgelegt, daß kein gesundheitlicher Nachteil entstehen kann).

Auf Grund meiner Ausbildung und vor dem Hintergrund der durchaus kritischen Thematisierung des Phosphat-Zusatzes in Colagetränken (in Form von Phosphorsäure) im Rahmen von Studentenkursen meines Lehrauftrages an der Universitätsmedizin wissen wir, daß z.B. Coca Cola (Original) ca. 650mg/L Phosphat enthält. Die Phosphorsäure führt zu einer Umfärbung des Zuckercouleurs (Farbstoff) der Cola in eine schwarze Nuance. Ohne Ansäuerung würde Zuckercouleur bräunlich - hellbraun aussehen (vergl. Ginger Ale).

Daher entspricht 1 Liter Coca Cola etwa 300 Liter Trinkwasser (650/2,8). Angenommen, eine Person trinkt pro Tag 3 Liter Trinkwasser (meist wird der Wasserbedarf zudem durch andere Getränke gedeckt), könnte man 100 Tage lang (also ca. 3 Monate) pro Tag 3 Liter Trinkwasser trinken, bis man das Phosphatäquivalent von 1 Liter Coca Cola inkorporiert hätte.

Hieran wird die Verhältnismäßigkeit deutlich und hieran wird ersichtlich wie marginal doch die Phosphatkonzentration im Gegensatz zu anderen alimentären Phosphatquellen einzuschätzen ist.

Als (nebentätiger) Diakon und Kirchenmusiker des Bistums Fulda betreue ich in meiner Freizeit und meiner Urlaubszeit zwei Trinkwasserprojekte im Ausland (Johannesburg, Südafrika und Kiew, Ukraine). Wir haben dort Trinkwasserdesinfektionsanlagen geplant und umgesetzt. Die Trinkwassersituation in anderen Bereichen der Welt kennend, muss ich ganz persönlich sagen, daß die Diskussion in Anbetracht der hohen Qualität des Trinkwasser im Versorgungsgebiet des Wasserverbandes Leine-Süd fast eine Versündigung darstellt, da das Trinkwasser des Wasserverbandes Leine Süd stets und zu jeder Zeit der Trinkwasserverordnung konform bereit gestellt wird und sich viele Menschen auf der Erde ein nur im Ansatz so adäquates Trinkwasser wünschen würden, wie es der Wasserverband liefert.

Sie sehen, dass wir die Thematik durchaus kritisch betrachten, dass wir aber auf Grund der Datenlage und der Grenzwertfestlegungen aber zu guter Recht auf dem Boden naturwissenschaftlicher Feststellungen an der Aussage festhalten können, dass vom Wasser des Wasserverbandes Leine-Süd in keiner Weise eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgehen kann.

Trinkwasser ist ein Naturprodukt und wie alle Naturprodukte individuellen Schwankungen unterworfen. Die hohe Gesamthärte und der hohe Resthärteanteil sind geogen bedingt und typisch für die geogenen Formationen im Bereich des Aquifers am Ort der Gewinnung. Die Enthärtung durch Ultrafiltration geht mit der Inkaufnahme eines Korrosionsschutzes einher, der aber, wie dargelegt, zu keinen gesundheitlichen Risiken führt.

Mit freundlichen Grüßen,
Ulrich Schmelz

Ursprüngliche Mitteilung 9.12.2012
Von: Dr. med. Dipl.-Chem. Dipl.-Ing. (FH) Ulrich F. Schmelz
www.hygiene-goettingen.de

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